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Eine gute Moderation beginnt lange vor dem ersten Wort

Autorenbild: Isabel Florido
Isabel Florido
vor 1 Tag
4 Min. Lesezeit

Warum für mich Stimme, Klang und Raumgefühl genauso wichtig sind wie die richtigen Worte.


Wenn ich als Moderatorin auf einer Bühne stehe, möchte ich mein Publikum nicht nur erreichen. Ich möchte, dass es mir gerne zuhört. Dass meine Worte mühelos ankommen, meine Stimme angenehm klingt und meine Zuhörerinnen und Zuhörer sich ganz auf das konzentrieren können, was ich ihnen erzählen möchte.

Denn seien wir ehrlich: Wir alle kennen diese Momente, in denen wir jemandem zuhören und es irgendwann anstrengend wird. Weil die Stimme zu schrill klingt, die Worte undeutlich sind oder der Klang aus den Lautsprechern unangenehm auf unsere Ohren trifft.

Und ganz ehrlich: Ich möchte mit meiner Stimme weder Hals- noch Ohrenschmerzen verursachen. ;-)

Eine Stimme soll nicht nur gehört werden. Sie soll im Wohlklang ankommen.

Für mich ist die Stimme weit mehr als ein Transportmittel für Worte. Sie vermittelt Stimmungen, weckt Emotionen, schafft Nähe und kann Vertrauen aufbauen.

Als professionelle Sprecherin und Schauspielerin weiss ich, wie viel eine Stimme erzählen kann, selbst zwischen den Zeilen.

Ob ich einen festlichen Galaabend moderiere, ein Gespräch auf der Bühne führe oder als Keynote Speakerin zu meinem Publikum spreche: Ich möchte, dass meine Stimme trägt, ohne zu drücken. Ich möchte, dass sie klar und verständlich bleibt, ohne künstlich zu wirken. Und dass sie lebendig ist, ohne mein Publikum zu überfordern.

Hast Du gewusst, dass beim Zuhören nicht nur unsere Ohren und unser Sprachverständnis aktiv sind? Auch Bereiche unseres Gehirns, die an der eigenen Sprachproduktion beteiligt sind, können mitwirken. Spannend, oder?

Vielleicht kennst Du dieses Gefühl: Jemand spricht mit so viel Druck oder Anstrengung, dass Du beim Zuhören beinahe selbst einen engen Hals bekommst. Umgekehrt kann eine wohlklingende, mühelos geführte Stimme unglaublich angenehm sein.

Genau deshalb ist mir eine gute Stimmführung so wichtig. Ich möchte, dass mein Publikum entspannt zuhören kann und nicht schon vom Zuhören heiser wird. ;-)

Dabei geht es nicht darum, möglichst perfekt zu klingen. Es geht darum, mit der eigenen Stimme eine Verbindung zu schaffen.


Der Soundcheck – für mich unverzichtbar

Bevor eine Veranstaltung beginnt, gibt es für mich einen Termin, auf den ich nur ungern verzichte: den Soundcheck.

Und damit meine ich nicht, dass jemand kurz ins Mikrofon spricht und fragt: «Test, Test, eins, zwei, drei. Hört man mich?»

Ich möchte selbst auf der Bühne stehen, ins Mikrofon sprechen und hören, wie meine Stimme über die Anlage klingt.

Ist sie klar? Klingt sie warm und angenehm? Versteht man mich auch in den hintersten Reihen? Wie verändert sich der Klang, wenn ich mich bewege? Und wie viel stimmliche Energie braucht es überhaupt, um diesen Raum zu füllen?

Wenn möglich, gehe ich auch in den Zuschauerraum und höre mir an, wie meine Stimme dort ankommt.

Denn was ich auf der Bühne höre, ist nicht zwingend das, was mein Publikum hört.

Die beste Stimmtechnik nützt wenig, wenn Mikrofon, Lautsprecher und Raumakustik nicht zusammenspielen.

Deshalb ist der Soundcheck für mich keine technische Nebensache, sondern ein wichtiger Teil meiner Vorbereitung.


Jeder Raum erzählt seine eigene Geschichte

Ein weiterer Punkt, der mir besonders am Herzen liegt, ist das Gefühl für den Raum.

Wo sitzen meine Gäste? Wie nahe sind sie bei mir? Wie gross ist die Distanz zwischen Bühne und Publikum? Gibt es Bereiche, in denen ich mich frei bewegen kann? Kann ich vielleicht sogar in den Zuschauerraum gehen und mein Publikum unmittelbar ansprechen?

Eine kleine, intime Veranstaltung verlangt eine andere Präsenz als ein grosser Saal mit mehreren Hundert Gästen.

Wenn ich den Raum vorab erkunde, entsteht bei mir eine innere Landkarte. Ich weiss, wo ich stehe, wohin ich mich bewegen kann und wie ich die Menschen im Raum erreichen möchte.

Das gibt mir Sicherheit.

Und diese Sicherheit ist wertvoll. Denn sobald die Veranstaltung beginnt, möchte ich nicht mehr darüber nachdenken müssen, ob mein Mikrofon funktioniert, ob meine Stimme trägt oder wo ich mich bewegen darf.

Ich möchte ganz bei meinem Publikum sein.


Gute Moderation ist mehr als ein gut geschriebener Text

Natürlich bereite ich meine Moderationen sorgfältig vor. Ich recherchiere, schreibe Texte, beschäftige mich mit meinen Gästen, den Themen und der Dramaturgie einer Veranstaltung.

Aber ein guter Text allein macht noch keine gute Moderation.

Entscheidend ist auch, wie ich ihn zum Leben erwecke.

Welche Stimmung möchte ich erzeugen? Wo darf es leicht und humorvoll sein? Wann braucht es Ruhe, Ernsthaftigkeit oder einen Moment des Innehaltens? Wie schaffe ich einen Übergang, der nicht nur inhaltlich funktioniert, sondern auch emotional?

Manchmal kann eine kleine Pause mehr bewirken als ein ganzer Satz. Ein warmer Stimmklang kann Nähe schaffen. Ein Wechsel in Tempo oder Tonlage kann Spannung erzeugen.

Und manchmal ist es gerade das Ungeplante, das einen Moment besonders macht.

Denn Moderation bedeutet für mich nicht, ein Programm einfach abzuspulen.

Moderation bedeutet, Menschen durch einen Anlass zu begleiten, Atmosphäre zu schaffen und Begegnungen möglich zu machen.


Wenn Vorbereitung zu Leichtigkeit wird

Je besser ich vorbereitet bin, desto freier kann ich auf der Bühne agieren.

Das mag zunächst widersprüchlich klingen. Doch genau darin liegt für mich ein wichtiger Teil der Professionalität.

Wenn ich meine Inhalte kenne, meine Stimme auf den Raum abgestimmt habe und mit der Technik vertraut bin, entsteht Raum für Spontaneität.

Dann kann ich auf mein Publikum reagieren, einen unerwarteten Moment aufnehmen, einem Gespräch eine neue Richtung geben oder einfach den Augenblick geniessen.

Und genau das liebe ich an meinem Beruf.

Diese Erfahrungen nehme ich übrigens auch in meine Arbeit als Stimm-, Sprech- und Auftrittskompetenztrainerin mit. Denn ob jemand zum ersten Mal vor einem Publikum spricht oder regelmässig auf der Bühne steht: Die Wirkung entsteht nie allein durch den Inhalt.

Es ist immer das Zusammenspiel von Persönlichkeit, Stimme, Sprache, Haltung und Präsenz.


Meine Bühne. Mein Publikum. Meine Verantwortung.

Wenn Menschen an einer Veranstaltung teilnehmen, schenken sie uns etwas sehr Wertvolles: ihre Zeit und ihre Aufmerksamkeit.

Damit möchte ich sorgsam umgehen.

Deshalb beginnt für mich eine professionelle Moderation nicht erst mit dem ersten gesprochenen Wort. Sie beginnt mit der Vorbereitung, dem Gespür für den Raum, dem Soundcheck und der bewussten Entscheidung, wie ich mein Publikum erreichen möchte.

Denn am Ende sollen die Menschen nicht darüber nachdenken, ob das Mikrofon gut eingestellt war oder ob ich deutlich gesprochen habe.

Sie sollen einfach gerne zugehört haben.

Und im besten Fall etwas mit nach Hause nehmen, das noch ein wenig nachklingt.

Isabel Florido – Moderatorin, Schauspielerin, professionelle Sprecherin & Keynote Speakerin



 
 
 

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